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Foto by Ben Kirschenbaum

On the Rocks – Musik, die bewegt. Heute: Apifera – Overstand

Zu einem guten Drink gehört gute Musik – oder umgekehrt. In der Kolumne „On The Rocks“ stellen wir Alben vor, die so smooth wie aufregend sind. In dieser Folge geht es um das beeindruckende Debüt „Overstand“ der israelischen Band Apifera. 

Von Jana Winter

Denkt man an Jazz aus Israel, mag vielen das exzellente Avishai Cohen Trio einfallen. Danach wird es mit bekannten Namen, solange man nicht ausgewiesene/r Expert*in ist, oft schon schwerer. Dabei findet sich gerade in Tel Aviv eine große wie lebendig moderne Szene. Und ein tieferer Blick lohnt sich. Apifera sind Yuval Havkin (aka Rejoicer) und Nitai Hershkovits an den Keyboards und Synthesizern, Yonatan Albalak am Bass und Amir Bresler am Schlagzeug. 

„Overstand“ ist das erste gemeinsame Album des Quartetts und gerade in diesen oft grauen Wochen ein musikalischer Lichtblick. 

Die Musiker kennen sich bereits von gemeinsamen Aufnahmen und Sessions für Javkins Projekt Rejoicer. Und es dürfte irgendwie klar gewesen sein, dass sich selbst in einer Metropole wie Tel Aviv die Wege von Leuten mit solch einem gemeinsamen Verständnis und Können irgendwann kreuzen müssen. 

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Foto by Hillel Eflal/ Stone Throw Records

„Overstand“ erscheint auf dem kalifornischen Label Stones Throw, das 1996 von Peanut Butter Wolf gegründet wurde und als eines der wichtigsten HipHop-Labels des 21. Jahrhunderts gilt. Die Schnittstellen zu HipHop, Funk und Soul sind in dem Sound von Apifera vorhanden. Zumal Yuval Havkin als Rejoicer auf dem Label bereits veröffentlichte. Durch Stones Throw wurden Artists wie Madlib, Mayer Hawthorne, J Dilla, Aloe Blacc und Anika bekannt. Ob das Label auch dem virtuosen Act aus Israel zu internationalem Fame verhelfen wird, bleibt erstmal abzuwarten. Und darum dürfte es dem Label auch nicht gegangen sein, sondern wie immer zuallererst um gute Musik.

Luzide Träume

Apifera ist der Name einer Orchidee, die hier auch als Bienen-Ragwurz bekannt ist und 1995 sogar zur Orchidee des Jahres gekürt wurde. Organisch, farbenfroh und faszinierend sind auch die Sounds der Band – und das ist Teil des Konzepts. Die gewählten Harmonien, Arrangements sollen die schimmernde Vielfalt der Natur reflektieren. Dabei finden sich Einflüsse aus traditioneller israelischer Musik, über Sun Ra, Klängen aus Sudan und Ghana bis hin zur impressionistischen Klassik von Debussy und Ravel. „Overstand“ entstand in einer dreitägigen Session, es wurde so wenig nachbearbeitet wie nötig, und man spürt die gut eingespielte Energie der Musiker auf den einzelnen Tracks. Nitai Hershkovits erklärte in einem Interview: „Die Orchestrierung war ein wesentlicher Teil unserer Arbeit. Wir haben den Texturen viel Aufmerksamkeit geschenkt, Stimmungen und Temperaturen der Sounds haben wir detailliert diskutiert. 

“Es geht uns um luzide Träume und weniger um die Realität.“

~Nitai Hershkovits, Apifera

Retrofuturismus

Der Sound von „Overstand“ ist im besten Sinne retrofuturistisch und psychedelisch. Es gibt tolle Blechblas-Sektionen. Man denkt an verchromte Science-Fiction aus den 50er- und 60er-Jahren. An Jetsons, Barbarella und an Zeiten, als SciFi noch in der Lage war, hoffnungsvolle bunte Utopien zu schaffen. Die Synthesizer wabern wie bei Mort Garson und Wendy Carlos, und durch den Einsatz von modernen Beats (LoFi-HipHop, Breakbeats) und gesampleter Anmutung schillert es zeitlos, facettenreich, ätherisch und elektrisierend zugleich. Der Flokati duftet hier, als wäre er gerade neu erfunden worden.  

Erbe verpflichtet

Das Erscheinen von Alben fällt immer in die jeweilige Zeit, und der filmische Eskapismus, den Apifera in recht knackigen 34 Minuten aufzubauen vermögen, macht Lust auf mehr. Ein spaciger atmosphärischer Kurztrip, von denen es auf der Welt gerade bestimmt zu wenige gibt. Warme Sonnenuntergänge am Mittelmeer genauso. Es macht aber auch Lust, sich intensiver mit spannender Musik aus Israel auseinanderzusetzen. So ist Yuval Havkins Urgroßmutter Thelma Yellin (1895–1959) eine wichtige Person der israelischen Musiklandschaft. Yellin wurde in England als neunte Tochter der aristokratischen Familie Bentwich geboren und studierte am Royal College of Music in London. 1915 gründete sie mit Myra Hess und Jelly d’Arranyi ein rein weibliches Musik-Trio, was bis heute als Pionierleistung gezählt werden kann, und 1921 schließlich die Jerusalem Music Society. Die Cellistin und Musikpädagogin ist heute in Israel vor allem als Gründerin und Namensgeberin der Thelma Yellin Kunsthochschule bekannt, die jedoch erst drei Jahre nach ihrem Tod 1962 ihre Pforten öffnete. Die Kunsthochschule liegt in Givatayim östlich von Tel Aviv und formte nationale Stars wie Shira Haas, Ilanit und Maya Dunietz. Aber auch Yellins Urenkel Yuval Havkin studierte an der Schule so wie Apiferas Schlagzeuger Amir Bresler. 

Fast so, als schließe sich ein Kreis – und die Hoffnung, dass aus diesem Umfeld in Zukunft weiterhin tolle Musik erscheint ist berechtigt und stimmt vor allem versöhnlich. Die Kollaboration mit Funk-Legende Steve Arrington „Down To The Lowest Terms: The Soul Sessions“ soll noch diesen September erscheinen. 

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