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Foto: Eric Welles Nystrom

On the rocks- Musik, die bewegt. Heute: Floating Points; Pharoah Sanders & The London Symphony Orchestra–PROMISES

Zu einem guten Drink gehört gute Musik – oder umgekehrt. In der Kolumne „On The Rocks“ stellen wir Alben vor, die so smooth wie aufregend sind.

Thaddeus Herrmann

In dieser Folge kümmern wir uns um das Elektronik-Wunderkind Floating Points, der sich für „Promises“ mit der Saxofon-Legende Pharoah Sanders zusammengetan hat – und mit dem London Symphony Orchestra. Was für eine Reise!

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Foto: Eric Welles Nystrom

Es gehört seit Jahren zum buchstäblich guten Ton aller Elektronik-Produzent*innen, sich nicht nur auf die Arbeit mit Synthesizern und Computern zu beschränken. Sam Shepherd – Floating Points – ist eines der besten Beispiele für das Hinter-sich-Lassen dieser Konventionen. Zwar verdiente er sich ab dem Ende der Nuller-Jahre seine Sporen als DJ und Produzent von Dance Music, doch dass ihm diese Welt nicht reichen würde, war von Anfang an zu spüren. Dancefloor-Purist*innen mögen diese Haltung wundersam finden, und das ist okay. Aber Künstler*innen sind halt Getriebene und Shepherd treibt es kontinuierlich immer weiter. So durchbrach er auf seinen beiden Alben „Elaenia“ (2015) und „Crush“ (2019) nicht nur die strukturellen Vorgaben der Tanzfläche konsequent, sondern besetzte auch seinen ganz persönlichen Orchestergraben neu. Zwar geben auf beiden LPs die elektronischen Klangerzeuger nach wie vor den Ton an, doch sie erfüllen schlichtweg andere – neue – Aufgaben. So entstanden Stücke und Kompositionen, die weit mehr sind als Dance Music – offen und zugänglich für alle, die sich für Musik interessieren. Nun, 2021, legt Shepherd sein bisheriges Meisterwerk vor.

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5 Jahre

So lange hat es gedauert, bis „Promises“ fertig wurde. Statt sich allein im Studio zu vergraben, hat sich Shepherd mit Pharoah Sanders zusammengetan. Sanders ist einer der einflussreichsten Saxofonspieler überhaupt. 1965 wurde er Mitglied der Band von Jazz-Ikone John Coltrane. Seitdem gilt er als absolute Legende, auch wenn ihm der große kommerzielle Erfolg verwehrt blieb. Sein musikalischer Ansatz – als Brückenbauer zwischen den Kulturen und Kontinenten und der kontinuierlichen Integration afrikanischer Musiktraditionen – ließen sein Werk sperrig wirken. Im Jazz gilt er als Heiliger. Aber sonst? Wer ist Pharoah Sanders? Nun, mit 80 Jahren, dürfte sich die Lage ändern. Dank der Arbeit mit Shepherd, der ein ebensolcher Brückenbauer ist – nur eben in ganz anderen Sphären.

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Foto: Eric Welles Nystrom

Promises

„Sperrig“ passt als Stichwort so gar nicht zu „Promises“. Die rund 45-minütige Komposition, in mehrere Abschnitte unterteilt, aber dafür gedacht, im Ganzen durchgehört zu werden, ist eine so stille wie tiefe Reise. Den Ausgangspunkt bildet eine kleine Keyboard-Figur von Shepherd, kaum mehr als eine schimmernde Akkordfolge. Sie setzt die Stimmung und das Leitmotiv, das sich durch das ganze Album zieht und Sanders als Grundlage für sein Saxofon-Spiel dient. Ganz langsam, Schritt für Schritt bzw. Takt für Takt – auch wenn Struktur auf diesem Album praktisch keine Rolle spielt – entwickelt sich so ein steter Dialog zwischen den beiden Protagonisten: ein Frage-Antwort-Spiel, bei dem beide Seiten bald ihre ganz eigene Dynamik aufnehmen und entwickeln, eigene Ideen herausarbeiten, immer wieder abdriften, dabei aber schlussendlich grundsätzlich zueinander finden. Man muss sich das vorstellen, als würde man einen ruhig fließenden Bach beobachten, in dem die Kieselsteine im Sonnenlicht in allen nur denkbaren Schattierungen glitzern und schimmern, durch den Wind dabei wieder und wieder neu angeschoben werden und andere, unerwartete Kreise ziehen. Allein dieses Zusammenspiel wäre schon zahlreiche Grammys wert. Doch Floating Points wäre nicht Floating Points, würde er dieser Basis nicht noch etwas hinzufügen. In diesem Fall das Londoner Symphonie-Orchester. 

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London Symphony Orchestra  commons.wikimedia.org Public Domain

So fallen die Tasteninstrumente von Shepherd und das Saxophon von Sanders aus dem frühlingshaften Strudel eines direkten Dialogs in das perfekt gefütterte Bett eines klassischen Ensembles, mit dessen Hilfe die Komposition auf ein weiteres Level gehoben wird. Hier spielt kein Soundtrack-Orchester à la Hollywood, dessen einzige Aufgabe es ist, musikalischen Motiven der Musik den in diesem Geschäft oft erwarteten Schmalz zu verpassen. Im Gegenteil: Auf „Promises“ gilt auch im Falle des Orchesters das genaue Hinhören, der gebotene Abstand zum gemeinsamen Spiel von Shepherd und Sanders. Wenn es still wird, ist auch das Orchester ruhig. Und immer dann, wenn es die Dramaturgie der Komposition erforderte, flirren die Saiten. Shepherd sagt, dies sei wie das letzte fehlende Stück in einem Puzzle gewesen. Und es stimmt: Das Orchester gibt der Komposition mehr Raum, Halt und Nachhall.

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Foto: Eric Welles Nystrom

Muss ich hören

Das mag alles sehr sophisticated klingen und vielleicht auch einige abschrecken, die mit Jazz wenig bis nichts am Hut haben – obwohl wir in diesem Magazin schon hier und da die modernen Möglichkeiten des klassischen Genres betont haben. Doch keine Sorge: Bei „Promises“ muss man nun wirklich keine Angst haben. Dieses Album markiert eine intensive, aber eben auch überaus zugängliche Idee davon, wie Musik klingen kann. Zwischen Rock, Pop und Dance brauchen wir immer auch Ruhepunkte, verbunden mit neuer Inspiration. Dieses Album liefert all das.

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