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On the Rocks – Musik, die bewegt. Heute: Martyn Heyne - Open Lines

Zu einem guten Drink gehört gute Musik – oder umgekehrt. In der Kolumne „On The Rocks“ stellen wir Alben vor, die so smooth wie aufregend sind. In der neuen Folge blicken und hören wir nach Berlin.

Thaddeus Herrmann

Dort hat sich Martyn Heyne einen Lebensraum der besonderen Art erschaffen. Er lebt in seinem Studio und sein Studio lebt ihn ihm. Die sehr erfolgreiche Band The National hat hier schon aufgenommen, aber auch viele lokale Künstler*innen. Sein neues Album „Open Lines“ führt uns die volle Bandbreite der musikalischen Möglichkeiten der Gitarre vor Augen bzw. vor Ohren. Einladend, fordernd und vereinnahmend. 
 
Die Gitarre ist ein faszinierendes Instrument. Wie auch immer sie klingt – sie hat die populäre Musik überhaupt erst populär gemacht – vom Blues, über den Jazz und Rock’n’Roll bis zum Pop. Natürlich gab und gibt es dazwischen zahlreiche Nischen, in denen sich die Kreativität von Spielerinnen und Spielern sich erst wirklich entfaltet.

Martyn Heyne ist einer der Protagonisten dieser Welle der Neuerfindung des
 6-saitigen Standards.

Musik ist die vielleicht persönlichste Spielart der Künste. Vom gemeinschaftlichen Trommeln der die Welt besiedelnden Stämme über die großen Werke berühmter Komponistinnen und Komponisten: Die Interaktion mit anderen Menschen und die sehr intime Auseinandersetzung mit seinem eigenen Instrument schafft Verbindungen in viele Richtungen. Heute können alle Musik machen, selbst dann, wenn sie den Lernprozess gar nicht intensiv durchlaufen: Mit einem Computer oder Tablet, ja sogar mit einem Smartphone werden Beats und Melodien Wirklichkeit. Das ist einerseits begrüßenswert, andererseits jedoch scheint das Handwerkliche dabei verloren zu gehen.
 
Martyn Heyne verpackt genau diese handwerkliche Perfektion in einer umwerfend-wunderbaren Leichtigkeit. Seine Musik klingt weder gewollt noch angestrengt. Sie ist vielmehr ein frei fließender Strom der Emotionen. Mal gleiten seine Finger sanft und vorsichtig über die Bünde und Saiten. Dann öffnet sich eine freundliche, zuversichtlich stimmende Welt der musikalischen Einzigartigkeit, geprägt von ungeheurer Virtuosität, die aber nie zum bestimmenden Faktor erhoben wird. Heyne ist kein Mucker, der seine Gitarre mit endloser Gniedelei malträtiert, nur um sein technisches Können zu beweisen.

Der Berliner ist getrieben von der Suche nach Melodien, die einen mitnehmen an einen besseren Ort. Don't believe everything you read on the internet just because there's a picture with a quote next to it.

Dieser Suche kann man stundenlang zuhören.

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Still vs. Laut

Aber Heynes Musik lässt sich nicht darauf reduzieren. Was im Kleinen – im Stillen – funktioniert, eröffnet in einem größeren Rahmen erst seine gesamte Faszination. Raum und Hall verleihen seinen Kompositionen eine neue und zusätzliche Qualität. Wir kennen alle das Gefühl, wenn uns ein Gitarren-Riff so packt, dass alles – wirklich alles – gesagt scheint. Das weiß nicht nur Marty McFly: Martyn Heynes Sound verzaubert jede Umgebung.

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Nerds und Auskenner können die Inspiration des Berliners leicht verorten. Die konstante Auseinandersetzung mit der eigenen Kreativität und den technischen Möglichkeiten führt nach UK, zu ganz unterschiedlichen Virtuosen wie Vini Reilly (The Durutti Column) oder auch dem Brian-Eno-Intimus Michael Brook. Beide haben seit den 1980er-Jahren das Gitarrenspiel nicht nur revolutioniert, sondern auch grundlegend modernisiert. Diese Musiker muss man nicht kennen, sie sind aber tolle Ausgangspunkte für musikalische Entdeckungsreisen. Einfach mal suchen und ausprobieren, nachdem „Open Lines“ mindestens einmal komplett durchgelaufen ist und die Verzauberung einsetzt.
 
Open Lines

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Mit seinem neuen – zweiten – Album macht Heyne da weiter, wo er 2017 mit „Electric Intervals“ begann. Und als „one man band“ treibt er den Dialog mit seinem Instrument auf eine neue Spitze. Er selbst sieht die Stücke auf der LP als Kapitel von Romanen oder bestimmten Szenen in Filmen. Jeder Akkord eröffnet eine neue Perspektive. Darauf sollte man sich unbedingt konzentrieren, wenn auch nur ein Mal. Danach wird man eh praktisch automatisch immer wieder zu dieser musikalischen Tour de Force zurückkehren. Das Stück „The Hall“ steht stellvertretend für den intimen Charakter des Albums. Wir hören nur Heyne, seine Gitarre und ein synchron laufendes Echo-Gerät. So wird aus den kleinen, wenn auch komplexen und nuancierten Fingerübungen ein Werk, das sich immer weiter steigert, erst an- und dann wieder abschwillt.

Wären Ozeane Musik, würden sie genau so klingen. 

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Aber Heyne baut sich seine seine Welt Schritt für Schritt – Stück für Stück – zusammen. Mit Rhodes, Atmosphäre, Schlagzeug (gespielt von Tatu Rönkkö) und Cello (Anne Müller). Tatu kennt man von Efterklang, Anne von ihren Solo-Alben und ihrer Arbeit für und mit dem Piano-Wunderkind Nils Frahm.
 
In einer Zeit, in der die Welt immer lauter und unübersichtlicher wird, wir uns aber gleichzeitig vermehrt auf uns selbst verlassen müssen, bis das Virus erfolgreich ausgemerzt sein wird, ist die Musik von Martyn Heyne ein Anker der Hoffnung. Und zugleich ein Fernglas in eine bessere Welt. Ein Ruhepol, der die gesamte emotionale Bandbreite auf sechs Saiten der kompositorischen Extravaganz herunterbricht.

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