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Foto: Bartosz Holoszkiewicz

On the rocks – Musik, die bewegt. Heute: Skalpel – Highlight

Thaddeus Herrmann

Zu einem guten Drink gehört gute Musik – oder umgekehrt. In der Kolumne „On The Rocks“ stellen wir Alben vor, die so smooth wie aufregend sind. In der ersten Folge geht es nach Polen. Dort arbeitet das Duo Skalpel an der Neuerfindung des Jazz mit elektronischen Mitteln. Fünf Gründe, warum dieses Album eine Einladung ist, die Zukunft genau wie die Vergangenheit zu entdecken.

Jazz hat die Musik für immer verändert. Mehr Freiheiten, weniger Konventionen. Mit einem Fokus auf der Improvisation entstehen neue kreative Ausdrucksmöglichkeiten – von anspruchsvollen Sessions bis hin zu smoothen und reduzierten Interpretationen dieses neuen Geistes in der Musik, die etablierte Genres auf das nächste Level hievte.
 
Die Popkultur adaptierte diesen Ansatz und integrierte ihn in den Mainstream. So sieht und hört man heute nicht nur das Erbe des Jazz in allen nur erdenklichen Genres, sondern erfreut sich auch an einer lebendigen Szene weltweit: von Äthiopien über Polen bis nach New Orleans. Jazz bedeutet Freiheit. Und die beiden polnischen Musiker Marcin Cichya und Igor Pudło haben genau diese Freiheit zur Maxime ihre gemeinsamen Projekts Skalpel erhoben. 

Auch sie docken an der Popkultur an – mit großer Virtuosität, einem ganz besonderen Gefühl für „die großen Momente“, Emotionen und Stimmungen. 2020 erschien ihr neues Album. Das ist kein TripHop, das ist kein lupenreiner Pop: 

„Highlight“ verkörpert einen einzigartigen Umgang mit dem Erbe des Jazz – kompatibel, freundlich und gleichzeitig tief und voller Seele. 

Hier sind die Gründe, warum der Jazz uns auch in Zukunft berühren wird, erklärt am Beispiel von Skalpels neuem Album.

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Foto: Bartosz Hołoszkiewicz

Die große Geste

Musik dreht sich immer um Gefühle. Cichya und Pudło sind Meister in dieser Disziplin. So präzise ihr Spiel an Kontrabass, Schlagzeug und Gitarre auch sein mag – die beiden Musiker übersetzen diese Essenz in ein großes Ganzes, das in einer Konzerthalle genauso funktioniert, wie zu Hause oder einer intimen Bar bei einem guten Drink. Geschmack und Wirkung wollen erfahren werden, die Musik von Skalpel liefert genau das – ein vielschichtiges Erlebnis zwischen Tradition und unendlicher Offenheit. À propos Konzerthalle: Was im Kleinen entsteht, entfacht im Großen eine noch fulminantere Wirkung:

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Tradition und Zukunft

Der Jazz hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder neu erfunden – und an bestehende Musikkulturen angedockt. Skalpel vereinen diese Haltung in einem dichten und cinematischen Album. Mit den zehn Kompositionen auf „Highlight“ gräbt sich das Duo tief in der Vergangenheit des Grooves, scheut sich aber nicht dafür, mit diesem Grundstock vollkommen neue Welten aufzumachen – die den TripHop und AcidJazz auf die Plätze verweisen. Die Songs des Album sind genuine Meisterwerke, die in der Mittagspause genauso gute Laune verbreiten, wie am Abend beim konzentrierten Hören.

Akustik und Elektronik

Als sich der Jazz formierte, waren Computer und elektronische Instrumente noch nicht erfunden. Jazz ist im klassischen Sinn reine Handarbeit, die Auseinandersetzung von Musiker*innen mit ihren klassischen Instrumenten. Skalpel verstehen den Ursprung, erweitern ihn jedoch. Ihr präzises Spiel ist nur Teil des Ganzen. Um heute in der Musikwelt relevant zu sein, um Anschluss zu finden an die Popkultur, braucht es Vertrautheit. Cichya und Pudło verfeinern auf ihrem aktuellen Album diesen Ansatz.

Jazz ist Geschichte – Pop ebenso. 

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Foto: Michael Henry - Unsplash

Das akustische Spiel vermengen die Musiker mit einem großen Verständnis für den derzeitigen Status Quo des Pop – ohne dabei ihren Ursprung zu verleugnen. Das Ergebnis ist eine unwiderstehliche Melange aus Wissen und Forschung. Mit anderen Worten: Die Übersetzung der Tradition in die Gegenwart.

Stimmung

Musik berührt uns alle, besonders dann, wenn ein Stück viele Elemente und Genres vereint. Genau dann entsteht die Gemeinschaft, die die alten Abgrenzungen vom Schulhof auslöschen. Ich Rocker, du Popper? Alles egal. Der Jazz ist eine der wenigen Brücken, die diese Gegensätze wie von selbst überwinden kann. Mit ein bisschen Groove, ein bisschen Sound und jeder Menge Haltung. Eigentlich fühlen wir alles das Gleiche in der Musik. Und Skalpel kehren all das an die Oberfläche, verpackt in einzigartige Kompositionen. Hier das Stück „Escape“ von aktuellen Album.

Wirkung

Wer vom Jazz bislang immer die Finger gelassen hat – zu kompliziert, zu verkopft, zu blöd! – bekommt mit „Highlight“ von Skalpel einen Eintritt in ein anderes Universum präsentiert, das weder weh tut, noch Anstrengung erfordert. Die Musik der beiden Polen wechselt stetig zwischen hell und dunkel, euphorisch und zurückhaltend, Vollgas oder der in der Musik oft so wichtigen Bremse. Mit anderen Worten: „Highlight“ ist ein Album für wirklich alle Gelegenheiten.

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GENIESSEN IST ETWAS FÜR KENNER…  

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Unser milder Whiskey wird seit über 140 Jahren hergestellt. Eben seit unser Geschäftsgründer, M.W. Heron, 1874 den „Grand Ole´Drink of the South“ kreierte. Schon damals pflegte er gern „keiner so echt wie meiner” zu sagen. Genau das trifft auch heute noch zu, wenn sich Whiskey-Liebhaber weltweit für den unverwechselbar mild-würzigen Geschmack entscheiden. 

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