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7 Serien-Tipps für den Couch-Marathon

Wir alle verbringen gerade viel Zeit auf dem heimischen Sofa. Und in der Glotze läuft mal wieder nichts? Kein Problem: Hier kommen unsere sieben Serientipps für faule Stunden und gute Laune! 

Sulgi Lie

1. Mozart in the Jungle (Amazon Prime 2014-2018, 4 Staffeln)
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Klassische Musik hat es ja seit jeher etwas schwer im Kino. Verspricht der Lifestyle des Orchestermusikers, der in biederer Montur seinen Dienst antritt, erst einmal wenig visuellen Glamour. Die heilige Trias von Sex, Drugs & Rock`n Roll gilt eben für den Rock und nicht für Ludwig van und Herbert von. Trotz Versuchen wie „Amadeus“ (1984) von Milos Forman aus Mozart einen anarchischen Punkvorläufer zu machen und trotz Nigel Kennedy oder David Garrett hält sich hartnäckig das Bild des klassischen Musikers als Oberlangweiler und Spießers. 

Der überaus erfolgreichen Prime-Serie „Mozart in the Jungle“ gebührt das Verdienst, gründlich mit diesem Klischee aufgeräumt zu haben: Denn so exzentrisch, sexy und exzessiv werden hier Dirigenten und Musiker der imaginären New Yorker Symphoniker gezeigt, dass der Spießerverdacht mit Leichtigkeit verfliegt. Man kann abends Bruckner spielen und dann trotzdem Party machen. Der Schwung der Serie liegt vor allem an den sichtlich lustvoll aufspielenden Schauspielern, allen voran Gael Garcia Bernal als neuer Chefdirigent, Rodrigo de Souza, der den Stab vom alternden Patriarchen Thomas Pembridge (Malcolm „Clockwork Orange“ McDowell) übernimmt. 

Erzählt wird dieser muntere Liebesreigen der unterschiedlichsten Affären, Romanzen und Eifersüchteleien aber aus aus der Perspektive der ehrgeizigen, aber etwas naiven Oboistin Hailey Rutledge. Die kommt als Landei in den Big Apple und muss sich gegen die harte Konkurrenz beweisen Dass Lola Kirke als Hailey einen entspannten Indie-Vibe in die Serie hinein bringt, passt auch zu dem Produktionsteam hinter der Serie, die allesamt aus dem erweiterten Umfeld der Coppola-Familie stammen. Es gibt ein schönes Wiedersehen mit Nineties-Star Saffron Burrows als Cellistin, und Gastauftritte von Joshua Bell und Lang Lang bürgen für die musikalische Seriösität. Von der Coolness der Klassik muss man Sofia Coppolas Ehemann Thomas Mars, seines Zeichens der Frontmann der vielleicht elegantesten Popband überhaupt, wohl auch kaum überzeugen: „Lisztomania!“ Die Streicherversion dieses Ohrwurms klingt zumindest als Titeltrack unwiderstehlich. Oder: Klassik ist Pop.

2. Master of None (Netflix 2015-17, 2 Staffeln)
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Ähnlich tief in New York verwurzelt wie „Mozart in the Jungle“ ist auch „Master of None“ von und mit Aziz Ansari. Nachdem 2015 die erste und 2017 die zweite Season mit großen Kritikerlob bedacht wurden, ist eine dritte Staffel für die nähere Zukunft angekündigt. Das wäre toll, denn wie sich Ansari als indischstämmiger Schauspieler Dev durch den toughen Arbeits- und Liebesmarkt von NYC manövrieren muss, ist bei aller Komik auch von einer Melancholie geprägt, die diese kulturindustriell kompetitiven Thirtysomethings unausweichlich ergreifen muss, wenn sich das Tinder-Date doch als sehr flüchtige Enttäuschung herausstellt. 

Liebe in Zeiten der Dating-Apps, so könnte ein soziologischer Untertitel der Serie lauten: Auf Tinder daten, mit Uber fahren, auf Social Media werben – und auch wenn’s halbwegs erfolgreich läuft, ist das Glück irgendwie nicht wirklich von Dauer, das ist die Erfahrung, die Dev und seine hippen, multikulturellen Freunde machen müssen. Seine Freundin Rachel zieht für einen Job nach Tokio, so ist es halt auf dem globalisierten Arbeitsmarkt. Dev wiederum verschlägt es in der zweiten Staffel ins alte Europa, genauer nach Modena in Italien, wo er sich eine berufliche Neuorientierung als traditioneller Pastamacher erhofft und natürlich auf die große Amore hofft. Ganz bewusst zitiert die zweite Staffel in einigen liebevoll inszenierten Vignetten die Größen des italienischen Autorenkinos, Antonioni und Fellini vor allem. Aber bekanntlich steht es in Antonioni-Filmen eher schlecht um die Möglichkeit der Liebe, und wenn das Leben das Kino imitiert, hat dann Devs neue Liebe zu seiner Zufallsbekanntschaft Francesca eine Chance? Dass wir aber beim Schauen von „Master of None“ nicht zu melancholisch werden, dafür sorgt die unnachahmliche Grimasse von Aziz Ansari, der die Augen so aufreißen kann, dass sie ihm förmlich aus dem Gesicht springen.

3. Love (Netflix 2016­-2018, 3 Staffeln)
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Über die Tücken der zeitgenössischen Dating-Kultur geht es auch in „Love“, die vielleicht als Westcoast-Variante zu „Master of None“ gelten kann. Auch hier geht es um das komplizierte Liebesleben gestresster Kulturarbeiter im Großraum L.A., in der alle irgendwie bei Film- oder Fernsehproduktionen arbeiten. So auch der nerdige Gus (Paul Rust), der als Hauslehrer am Set einer Fantasy-Serie für den Kinderstar Arya Hopkins arbeitet und Mickey (Gillian Jacobs), die Managerin bei einem Radiosender ist. Die sich anbahnende „Beziehung“ – oder wie immer man das auch nennen soll – zwischen Gus und Mickey ist vor allem eins: awkward. Immer wieder sabotieren die beiden ihre Liason durch borderliniges Verhalten. 

Sehr sympathisch an der Serie ist, dass sie die beiden Protagonisten immer wieder auch mal von ihren extrem unsympathischen Seiten zwischen Karrieregeilheit und milder Psychose zeigt. Trotz der Crazyness von Gus und Mickey atmet „Love“ eine relaxte südkalifornische Tiefenentspanntheit, die aus anderen Produktionen von Judd Apatow vertraut ist. Der hat nicht nur gemeinsam mit Paul Rust die Serie entwickelt, sondern hat auch seiner Tochter Iris die Rolle des kapriziösen Kinderstars anvertraut. David Cronenberg’s „Map to the Stars“ zeigte ja bereits, wie frühes Stardom auf die kindliche Charakterentwicklung einen nicht unproblematischen Effekt haben kann. So wirft „Love“ auch einen Insider-Blick hinter die Kulissen Hollywoods zwischen Traum und Tristesse.

4. The Politician (Netflix 2019-2020, 2 Staffeln)
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Schlicht mit “Hollywood” war auch eine andere Netflix-Serie aus dem letzten Jahr über die Traumfabrik in den 1940er-Jahren betitelt, die einmal mehr aus der unermüdlichen Produktionsschmiede von Ryan Murphy stammt: Seit den großen Erfolgen von „Glee“ und „American Horror Story“ arbeitet Murphy an einem seriellen Projekt, das man vielleicht als Mainstream-Queering bezeichnen könnte. Ist die visuelle Oberfläche aller Murphy-Produktion immer maximaler Hochglanz, so geht es ihm doch immer wieder um die sanften Abgründe und Abwege der Populärkultur: Großartig sind die beiden ersten Staffeln von „American Crime Story“ über O.J. Simpson-Fall und den Mord an Gianni Versace. Was Murphy da an barocker Pracht auffährt und Schauspieler wie John Travolta oder Edgar Ramirez zu queeren Ikonen stilisiert – OMG. 

In den bislang zwei Staffeln von „The Politician“ hat er sich nun dem Queering der amerikanischen Politkultur verschrieben. Das superreiche „gay kid“ Payton Hobart (Ben Platt) ist noch in der High School in Santa Barbara, greift aber schon nach den Sternen: Er will irgendwann einmal Präsident werden, nichts weniger als das. Um seine Karriere adäquat vorzubereiten, muss er aber erst einmal Schulsprecher werden. Herrlich überkandidelt strahlt „The Politician“ in den prallen Farben der ewigen südkalifornischen Sonne und kann sich dabei ganz auf seinen souveränen Starcast verlassen: Neben Jessica Lange, Comedian Zoey Deutch und der grandios zickigen Lucy Boynton gibt es einen der selten gewordenen Auftritte von Gwyneth Paltrow, die hier als Luxus-Hippie-Adoptivmutter von Payton zur großen Divenform aufläuft. Was die Politik angeht: Wenn die Reden nicht weiterhelfen bei der Stimmenjagd, dann wird eben gesungen und zwar richtig schmachtend. Ist Politik nicht immer auch Pop?

5. Spinning Out (Netflix 2020, 1 Staffel)
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Von „The Politician” ist eine dritte Staffel angekündigt, die sich dem erwachsen gewordenen Payton for president widmen soll. Die Eiskunstlaufserie „Spinning Out“ ist jedoch schon nach einer Staffel beendet worden. Das ist sehr schade, denn von dem bissigen Teenie-Drama hätte man gerne mehr gesehen. Das liegt vor allem am Charisma von Kaya Scodelario als superehrgeizige Eiskunstläuferin Kat Baker, die nach einem schweren Unfall nicht nur mit ihrem Comeback zu kämpfen hat, sondern auch mit Schwesternkonkurrenz, Mutterkomplex und natürlich Herzschmerz. 

Scodelario hat mit der „Maze Runner“-Trilogie und dem tollen Alligator-Horrorfilm „Crawl“ bewiesen, dass sie zu den interessantesten Nachwuchsschauspielerinnen gehört. Weit davon entfernt, einfach nur süß zu sein, strahlt Scodelario eine sehr eigenwillige Härte aus, die in „Spinning Out“ zwar mit einer bipolaren Störung erklärt wird, deren Faszination aber trotz einige zu aufgesetzte melodramatische Plotmanöver in den Bann schlägt. Mit dem Setting in einem etwas whitetrashigen Idaho mutet „Spinning Out“ wie das Serien-Gegenstück zum Biopic „I, Tonya“ an, in der sich Tonya Harding im Aufstiegskampf aus prekären Klassenverhältnisse auch niederträchtige Mittel nicht scheut. Passend zu diesem Eiskampf heißt es in den Zeilen des schönen Titelsongs von „Spinning Out“: „Everything I want comes at a cost. And I want it all.“

6. Tiny Pretty Things (Netflix 2020, 1 Staffel)
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Den ganz großen Fame wollen auch die Ballettschüler von „Tiny Pretty Things“, die in einer elitären Chicagoer Tanzinstitution der erbarmunglosen Konkurrenz ausgesetzt sind. Ob Eiskunstlauf oder Ballett, ohne Blut und Schweiß ist die schwerelose Grazie nicht zu erreichen. Davon wusste schon Natalie Portman in „Black Swan“ ein Lied zu singen. „Flesh and Bone“ hieß folgerichtig eine unterschätzte Ballettserie des Senders Starz aus dem Jahr 2015, in dem Tanzen härteste Knochenarbeit am wunden Fleisch bedeutet. 

Die neue Serie „Tiny Pretty Things“ fährt lustvoll alle Schwanensee-Stereotypen auf: Da ist die dämonische russische Lehrerin (die gibt es übrigens auch in „Spinning Out“), der heißblütige Latino-Choreograph, die vom Ehrgeiz besessene Mütter und skrupellose Mäzene. Soweit ist alles beim Alten, wäre der nicht deutlich auf Social Media getrimmte Style der Serie, in der kein Ereignis nicht irgendwie auf Instagram oder YouTube landet. Die hysterische Hyper-Aufmerksamkeit des Internets ist diesen Teenies zu ihrer zweiten Natur geworden. Eher unnötig ist da eher der altmodische Krimiplot um den drogeninduzierten Unfall der einstigen Primadonna, um deren Platz die Anderen um ihr Leben intrigieren. Aber die Tanzszenen, die sind wirklich sexy. Was auch daran liegt, dass für die Serie wirkliche Ballerinas und Ballerinos rekrutiert worden sind: Encore!

7. Emily in Paris (Netflix 2020)
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„Emily in Paris“ war einer der großen Netflix-Hits des letzten Jahres. Das liegt vermutlich daran, dass in der Welt von Emily jedes Quentchen Negativität gründlich ausgetrieben ist, oder anders formuliert: Alles ist Klischee an der Serie vom „Sex in the City“-Macher Darren Starr. So offensiv ist hier alles auf die allergrößte Seichtheit und Oberflächlichkeit inszeniert, dass es fast schon wieder Kunst ist. So ein hundertprozentig stereotypes Frankreich-Bild hat man wohl zuletzt in den Europa-touristischen Filmchen von Woody Allen gesehen! 

Emily (Lilly Collins) kommt als Social Media-Marketing-Expertin von Chicago nach Paris, um einer traditionsreichen Parfümfirma ein Insta-tauglicheres Image zu verpassen. Gegen „Emily in Paris“ mutet „Die fabelhafte Welt der Amelie“ fast schon realistisch an. Hier gibt es eigentlich nur Haute Couture, Haute Cuisine und eine Menge Haute Hommes an der Seine. Was soll man dazu sagen als „Oh là là!“ und in einem schicken Kleid ein teures Glas Champagner trinken? Genau das macht Lily Collins auch. Und sie macht das so charmant, dass sie wohl endgültig ihren Vater Phil in Sachen Fame in den Schatten stellen wird. 

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