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Foto: Werner Krüger

FACTS

In Deutschland gibt es über 100 Bahnhofsmissionen.

Derzeit engagieren sich dort knapp 2.000 Menschen ehrenamtlich. 

Die Hilfe für Obdachlose ist dabei nur ein Aspekt der Arbeit. Unterstützung von Reisenden steht genauso im Mittelpunkt. 

Wenn ihr euch vorstellen könnt, die Teams zu unterstützen, findet ihr hier eine Übersicht der Standorte. Eine Infobroschüre zum Download (PDF) gibt es hier.

Natürlich können die Bahnhofsmissionen auch anders unterstützt werden – zum Beispiel mit Kleiderspenden. Informiert euch dazu am besten vor Ort.

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Foto: Thaddeus Herrmann

 Warum machst du das?

Cornelia Wilhelm arbeitet ehrenamtlich mit Obdachlosen bei der Berliner Bahnhofsmission

Monika Herrmann

Obdachlose Menschen brauchen Nähe und praktische Hilfe. Sagt Cornelia Wilhelm. Die 66-jährige ehemalige Bankangestellte arbeitet seit sieben Jahren in der Berliner Bahnhofsmission. Einmal in der Woche, immer dienstags, verteilt sie Essen und Kaffee an die Hungrigen und Durstigen. Sie gibt einen warmen Pullover an Frierende oder einen Schlafsack. Immer mehr Menschen können sich das alles nicht leisten. Zwischen 3.000 und 5.000 Menschen – so Schätzungen – leben in Berlin auf der Straße. All das macht Cornelia Wilhelms ehrenamtlich. Monika Herrmann hat sie getroffen und erfahren, wie diese Arbeit ihr Leben positiv verändert hat.

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Foto: Werner Krüger

Ich bin hier seit 2014 dabei, hatte aber schon lange davor darüber nachgedacht, wie ich mich im Ruhestand engagieren könnte. Ich bin ganz ehrlich: 

„Mein Leben ist auch nicht immer toll verlaufen. Genau darum habe ich mich für eine ehrenamtliche Arbeit im sozialen Bereich entschieden.“

~Cornelia Wilhelm

Ich wollte mir einfach einen Tag in der Woche reservieren, anderen zu helfen – alles andere wäre mir zu langweilig gewesen. Als ich dann  nach meiner Tätigkeit bei einer Bank in Rente ging, fühlte ich mich frei und konnte endlich mit so einer Tätigkeit beginnen. So kam ich auf die Obdachlosen in der Bahnhofsmission. Deren Leben hat mich auch einfach interessiert. Aber vor allem wollte ich helfen.

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Foto: Werner Krüger

Der Einstieg war eigentlich ganz einfach. Ich erinnere mich noch genau: Ich kam an einem Montag vorbei, lernte andere Ehrenamtliche kennen, und am nächsten Tag ging es schon los. Ich bekam die blaue Weste und war Teil des Teams. Meine Familie und auch Freund*innen waren beeindruckt – viele sagten mir aber, dass sie diese Arbeit selbst nicht würden leisten können. Für mich ist das mittlerweile vollkommen normal. Ich bin als Ehrenamtliche aber auch in einer privilegierten Position. Um bestimmte Dinge muss ich mich nicht kümmern. 

Ich kümmere mich um die Essensausgabe, arbeite in der Kleiderkammer und rede mit Menschen, die einfach mal über ihre Situation sprechen wollen. Das ist natürlich eine andere Welt – aber wie ich schon sagte auch super interessant. Meistens wollen die Klienten gar nicht reden. Aber wenn – dann erzählen sie über ihr Leben. Auch über das, bevor sie obdachlos wurden. Ich bin oft erstaunt, dass sie vor der Straße ein ganz „normales“ Leben hatten. Arbeit, Wohnung, Familie. Dann kamen die Katastrophen: Schulden, Partner*in weg. Es ist eigentlich fast immer die gleiche Spirale, erschüttert mich aber jedes mal aufs Neue. Es bewegt mich aber auch. Es fühlt sich gut an, sich mit den Geschichten der Menschen auseinanderzusetzen. Es bestärkt mich in meinem Tun.

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Foto: Werner Krüger

Mit der Zeit habe ich gelernt, dass ich so gut wie nie wirklich Ratschläge geben kann – und das auch nicht wirklich sollte. Alle erleben ihr Leben auf der Straße anders. Das bedeutet auch unterschiedliche, ganz individuelle Hürden, Wünsche und Ansprüche, um das Leben zu verändern. Einer sagte mir, na klar wäre eine eigene Wohnung schön – er wäre da aber auch ziemlich einsam. Deshalb würde er im Fall der Fälle bestimmt auch weiterhin zu den etablierten Treffpunkten gehen – dorthin, wo er Leute kennt. Das wäre dann eben die Straße, na und? Das ist ein Kreislauf, aus dem man nur schwer wirklich herauskommt. Auch nicht mit professioneller Hilfe. Natürlich ist es für Außenstehende schwer, zu verstehen. Aber auch das zu akzeptieren, gehört zur Sozialarbeit. Wichtig finde ich, Nähe zu praktizieren.

„Wichtig ist, dieses Leben zu akzeptieren. Es ist ein anderes Leben, das sie führen und auch wollen.“

Es ist eine andere Realität – aber die meisten Betroffenen kommen damit zu recht. Es geht ja um Augenhöhe. Natürlich habe ich manchmal gewisse Erwartungen, aber dann fällt mir wieder ein, dass sie die gar nicht einordnen können. Wichtig ist, dieses Leben zu akzeptieren. Es sind eben ganz normale Menschen, die anders leben und sich in ihrer Situation auch ein Stück weit eingerichtet haben. Ich finde das im positiven Sinn erstaunlich, es hat meine Sicht auf viele Dinge verändert.

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 Foto: Thaddeus Herrmann

Natürlich verhalten sich einige auch aggressiv – die Gründe liegen ja auf der Hand. Ich kann damit leben, weil ich weiß: Der- oder diejenige muss ja auch mal die Wut rauslassen. Ich bin sowieso ein zufriedener Mensch, ich freue mich über das, was ich habe und was ich kann. Ich strebe nicht nach einem großen Auto oder einer Eigentumswohnung, sondern bin einfach zufrieden mit meinem Leben, so wie es läuft.
 
Einen von meinen Klienten habe ich etwas näher kennengelernt. Er hat mich auch mal mitgenommen auf Tour, ins Kino zum Beispiel, wo er leere Flaschen sammelt. Ich habe immer wieder gedacht, dass dieser Mann so total normal ist und eigentlich gar nicht obdachlos sein kann. Das hat allerdings alles Jahre gedauert. Aber jetzt habe ich gemerkt, dass seine Kraft nachlässt. Leider habe ich im Moment überhaupt keinen Kontakt mehr zu ihm. Ich habe versucht ihn zu finden, ohne Erfolg. Ja und jetzt mach ich mir Sorgen um ihn.
 
In der U-Bahn gebe ich Obdachlosen nur ganz selten Geld. Gelernt habe ich hier in der Bahnhofsmission, dass ein Gruß, ein kurzes Gespräch, einfach ein Wahrnehmen dieser Person wichtiger ist. Ich sage ihm oder ihr dann, dass es Hilfe bei der Bahnhofsmission gibt. Aber natürlich wissen das die Leute meistens alles.

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